F&A: Peter Agneborn, Experte für nachhaltiges Bauen

Eine Verbesserung der Energieeffizienz ist ein wichtiger Teil von nachhaltigen Gebäuden. Laut Peter Agneborn, Global Business Unit Director, HVAC & Commercial Building Services bei Xylem, wird man sich zukünftig beim nachhaltigen Bauen auf eine Erhöhung der Energieeffizienz von kompletten Systemen konzentrieren und nicht nur auf die Verbesserung einzelner Komponenten.

Welche Faktoren haben den Wandel beim nachhaltigen Bauen vorangetrieben?

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Faktoren, die zum Wachstum des nachhaltigen Bausektors beitragen. Die Rechtsvorschriften zur Energieeffizienz sind eine der wichtigsten Triebfedern, obwohl diese natürlich von Land zu Land unterschiedlich sind. Unternehmen, die gewerbliche Gebäude betreiben und warten – und somit auch Heiz- oder Kühlsysteme – suchen ebenfalls nach Wegen, um den Energieverbrauch zu reduzieren und die Betriebskosten zu senken. Und auch Hausbesitzer möchten ihre Energiekosten natürlich möglichst niedrig halten. Ob es sich um eine Hotelkette, eine Fabrik oder einen Privathaushalt handelt, es gibt viele unterschiedliche Wege, die Effizienz zu steigern und schlussendlich die Energiekosten zu senken – die alle mit der Forderung nach nachhaltigen Gebäuden zu tun haben.

Wie arbeitet Xylem mit nachhaltigen Gebäuden?

Xylem arbeitet bereits seit einigen Jahren mit nachhaltigen Gebäuden. Ungefähr 10 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs wird von Pumpen generiert, von denen viele im Inneren von Gebäuden versteckt sind. Die Pumpen sind das Herzstück eines Gebäudes, wenn wir also den Energieverbrauch einer Pumpe um bis zu 70 Prozent senken können, können wir den Nutzern, Investoren und der Gesellschaft als Ganzes mehrere Vorteil im Hinblick auf die Umwelt und den Betrieb bieten. Wir arbeiten mit Beratern und Nachunternehmern zusammen, die wir im Hinblick auf Industriegesetze schulen und ihnen helfen, ihren ROI mit energieeffizienten Pumpen zu berechnen. Wenn wir Kunden bei diesen Updates unterstützen, machen wir zunächst eine Bestandsaufnahme des bestehenden Systems und der installierten Pumpen und arbeiten ein Konzept mit Verbesserungsvorschlägen aus.

Wie entwickelt sich die Gesetzgebung in unterschiedlichen Teilen der Welt?

Die USA sind bei zahlreichen Veränderungen im Bereich nachhaltiges Bauen führend, vor allem bei Zertifizierungen im Baubereich. Xylem ist in den USA in mehreren technischen Gremien aktiv, einschließlich dem Hydraulic Institute, in dem wir uns für nachhaltige Gebäude einsetzen und daran arbeiten, die Rechtsvorschriften im Hinblick auf die Effizienz zu beeinflussen. Es ist wichtig, an der Ausformung von Gesetzen beteiligt zu sein, die uns betreffen, damit wir diesen auch wirklich gerecht werden oder sogar noch über diese hinaus gehen können. Wenn zu viele Unternehmen nicht in der Lage sind, die Vorschriften zu befolgen und solvent zu bleiben, kann dies unsere Industrie, unsere Wettbewerbsfähigkeit sowie die Finanzierbarkeit für unsere Kunden beeinflussen.

Europa konzentriert sich momentan darauf, z. B. mithilfe von Initiativen wie der Europäischen Ökodesign Richtlinie individuelle Produkte herzustellen, die Gebäude energieeffizienter machen. Wir haben unsere Produktsortimente aktualisiert, um vor diesem Mindesteffizienz-Index (MEI), der durch die Richtlinie festgelegt wurde, zu liegen bzw. über ihn hinauszugehen. China ist dabei, eine Gesetzgebung für nachhaltiges Bauen zu erarbeiten, Singapur ist bereits eine nachhaltige Stadt, deren Effizienzvorgaben weit höher sind als in Europa oder Amerika.

Mit welchen Schwierigkeiten hat nachhaltiges Bauen derzeit zu kämpfen?

Die Baufirmen konzentrieren sich meist vor allem auf Problemzonen wie Fenster oder Isolierung und schauen sich erst zum Schluss das System als Ganzes an. Das Verbessern von Fenstern und Isolierung bringt zwar einen schnellen ROI, aber häufig ziehen solche Renovierungen Probleme mit dem Wohnkomfort nach sich, da das Gebäude zu warm wird, oder es kommt zu Gesundheitsproblemen, weil das Gebäude zu dicht ist. Die Baufirmen täten besser daran, sich das gesamte System anzusehen, und herauszufinden, wie Wärme oder Energie ins Gebäude hinein bzw. hinaus gelangen und alles parallel zu entwickeln.

Ein weiteres häufiges Problem ist, dass Produkte zum Kompensieren der maximalen Belastung falsch dimensioniert werden. Dies gilt vor allem für die USA. Falsch dimensionierte Produkte sind meist größer als erforderlich, um sicherzustellen, dass genug Kapazität vorhanden ist, um den Anforderungen des übergeordneten Systems zu entsprechen. Ein Beispiel hierfür ist ein Hotel, bei dem die meisten Gäste morgens um die gleiche Zeit duschen. Wenn eine Pumpe für mehr Kapazität ausgelegt wird als vermutlich jemals benötigt wird, kann dadurch das System unnötigen Belastungen ausgesetzt und sehr ineffizient werden – was eine Menge Geld kostet und zu potentiellen Ausfällen führen kann.

Welche Veränderungen können bei der Pumpentechnologie erwartet werden?

Die Pumpentechnologie wird immer intelligenter und effizienter. Wir haben viele unserer Produktsortimente weltweit überarbeitet, um den Effizienzstandards zu entsprechen oder diese zu übertreffen – sowohl die aktuellen als auch die zukünftigen. Wir haben Produkte entwickelt, die Effizienzinseln besitzen, ein geschütztes Effizienzprofil, das den Nutzern die Möglichkeit gibt, über ein wesentlich breiteres Spektrum von Betriebsbedingungen eine deutlich höhere Effizienz beizubehalten. Viele unserer Produkte sind für eine höhere Effizienz mit Motoren mit ECM-Technologie ausgestattet. Die Erweiterung unseres Sortiments von drehzahlvariablen Antrieben ist ein weiterer wichtiger Aspekt, mit dem wir die Systeme unserer Kunden effizienter machen.

Außerdem haben wir in intelligente Pumpen investiert, ein Beweis hierfür ist die große ecocirc XL Nassläuferpumpe, die 2014 lanciert wurde. Die ecocirc XL ist mit einer intuitiven Schnittstelle ausgestattet, die den Nutzern die Möglichkeit gibt, die Einstellungen an ihre spezifischen Applikationen anzupassen; außerdem verfügt sie über zusätzliche Einstellungen, bei denen historische Pumpendaten mithilfe eines optionalen Wi-Fi-Moduls abgefragt werden können. Moderne Steuerungsoptionen wie Modbus oder BACnet-Zugriff ermöglichen ein dynamisches Systemmanagement.

Unsere drehzahlvariablen Antriebe sparen zudem Energie, da ihre Geschwindigkeit an die aktuellen Pumpenanforderungen angepasst wird, anstelle kontinuierlich mit gleicher Geschwindigkeit zu laufen.

Wie wird sich das nachhaltige Bauen in den nächsten Jahren verändern?

Beim nachhaltigen Bauen geht es schon immer um das System als Ganzes und weniger um einzelne Komponenten, und das wird auch in Zukunft so bleiben, wenn immer mehr Gebäudesysteme miteinander verbunden werden. Um ein Gebäude wirklich nachhaltig zu machen, müssen die Komponenten in der Lage sein, miteinander zu kommunizieren und sie müssen automatisiert werden, damit sie jederzeit angepasst werden können, um eine maximale Effizienz und Zuverlässigkeit zu erreichen. Die drehzahlvariablen Antriebe in unseren Pumpen verfügen bereits in hohem Maß über diese Funktionalität, aber wir arbeiten weiterhin daran, eine noch größere Interkonnektivität zwischen den Systemen zu erreichen.

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