Fünf Experten über den Effekt und den Nutzen von intelligentem Wasser

Intelligente Wasserlösungen werden bereits überall auf der Welt eingesetzt. Wir haben fünf Experten von Versorgungsunternehmen, Forschungsinstituten und gemeinnützigen Organisationen zu den dringlichsten Herausforderungen in der Wasserindustrie befragt. Sie diskutieren, wie intelligente Wassertechnologie helfen kann, diese Herausforderungen zu meistern und welche Möglichkeiten es gibt, die Implementierung intelligenter Wassertechnologien zu beschleunigen.

1. „Unterschiedliche Lösungen, um Risiken auf neue, innovative Art zu begegnen“

Katharine Cross ist Programmmanagerin für Basins of the Future bei IWA (International Water Association). Die IWA setzt sich weltweit durch F&E, das Organisieren von Veranstaltungen in der Wasserbranche und Einflussnahme auf Gesetzgebung und Politik für Wasser- und Abwassermanagement ein.

Herausforderungen für die Wasserindustrie: „Zu den Herausforderungen gehören die Verfügbarkeit von Wasser, die schlechter werdende Wasserqualität und extreme Ereignisse wie Überschwemmungen und Dürren.“

Wie intelligentes Wasser hilft: „Intelligente Wassertechnologien stellen eine Möglichkeit dar, unterschiedliche Lösungen zu entwickeln, um Risiken auf neue und innovative Art zu begegnen. Daten zu teilen und den Zugriff auf Daten zu ermöglichen, einschließlich festgestellter Daten, Bürgerwissenschaft und dem Erstellen von Modellen können dazu beitragen, Ihr Wassersystem zu verbessern oder Ihnen zu helfen, sich auf extreme Ereignisse wie Überschwemmungen und Dürren vorzubereiten bzw. auf diese zu reagieren. Sie können die Entwicklung hin zu innovativen Lösungen wie dezentralisierte Ansätze unterstützen, was wiederum dazu beitragen kann, die Gesundheit sowie den Zugang zu Wasser und Sanitation zu verbessern.“

Hindernisse für die Implementierung: „Eines der größten Hindernisse, das sich über den gesamten Wassersektor erstreckt, ist die mangelnde Risikobereitschaft. Es herrscht die Einstellung, genauso weiterzumachen wie bisher, weil dies die sicherste Option ist.“

Implementierung beschleunigen: „Durch das Teilen von Information und Wissen. Netzwerke wie das IWA können helfen, eine Brücke zwischen Innovation und Praxis zu schlagen.“

2. „Intelligente Wassermanagementlösungen bringen bereits enormen Nutzen“

Stephanie Kuisma ist Project Officer bei IWRA (International Water Resources Association), einer gemeinnützigen NGO, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Verständnis für Wasserprobleme durch Ausbildung, Forschung und Informationsaustausch zu verbessern und zu erweitern.

 Herausforderungen für die Wasserindustrie: „Zum einen der Klimawandel und die Unsicherheit, die durch den Klimawandel entsteht. Eine andere, große Herausforderung ist das Bevölkerungswachstum, d. h., dass die Infrastruktur an ihre Grenzen kommt oder diese überschreitet.

Wie intelligentes Wasser hilft: „Die Implementierung intelligenter Wassermanagementlösungen bringt bereits weltweit enormen Nutzen – im großen und kleinen Maßstab sowie in Ländern der ersten und dritten Welt. Die größte Chance für intelligentes Wasser ist die Verbesserung von Qualität und Quantität, die hierdurch möglich wird. Und der Nutzen ist nicht auf Wasser allein beschränkt. Für die Gemeinschaften, die diese Wasserressourcen nutzen, kann dies noch von viel größerer Bedeutung sein.“

Hindernisse für die Implementierung: „Die fehlende Standardisierung der Technologie und der Daten – als Wasserversorger muss man sich häufig für eine bestimmte Technologie entscheiden, die dann eine bestimmte, technologische Vorgehensweise nach sich zieht. Ein weiteres Hindernis für die Implementierung ist die fehlende Bereitschaft, Daten zu teilen.

Implementierung beschleunigen: „Der Übergang zu intelligenten Wasserlösungen kann dadurch beschleunigt werden, dass auch deren nicht materieller Nutzen an Bedeutung gewinnt – in Form von Nutzen für die Gemeinschaft und Nutzen für die Wasserverbraucher, der nicht notwendigerweise in Kapitalrendite zu Buche schlägt.“

3. „Eine Veränderung der Sichtweise und ein Dialog zwischen Interessensvertretern“

Cléo Lossouarn ist Projektmanagerin für Siedlungshygiene und Stadtplanung beim französischen Versorgungsunternehmen SIAAP, dem Betreiber für den Großraum Paris, der Abwasser, Regenwasser und Industriewasser für neun Millionen Menschen im Einzugsbereich Paris transportiert und klärt.

Herausforderungen für die Wasserindustrie: „Die Absprache zwischen den Interessenvertretern, die im selben Gebiet Wassermanagement betreiben. Was wir brauchen, sind Werkzeuge, die einen Dialog zwischen allen involvierten Interessenvertretern ermöglichen.“

Wie intelligentes Wasser hilft: „Intelligente Wassermanagementwerkzeuge führen zu einer Veränderung der Sichtweise und zu einem Dialog zwischen den Interessenvertretern, die im selben Gebiet arbeiten. Durch Schmutzlastmanagement könnten Kostenparameter in das Werkzeug integriert werden, um die Betriebskosten für das System zu senken. Außerdem können wir Parameter integrieren, mit denen wir die Wasserqualität kontrollieren und überwachen können.“

Hindernisse für die Implementierung: „Ein Problem ist das Abgleichen, d. h. sicherzustellen, dass alle Interessenvertreter bereit sind, Informationen auszutauschen, und zwar in standardisierter Form.“

Implementierung beschleunigen: „Um das Interesse der Interessenvertreter an intelligentem Wassermanagement zu wecken und Veränderungen zu erzielen, müssen wir den Nutzen und die Resultate intelligenter Werkzeuge wertschätzen und verdeutlichen, wie viel Geld durch deren Einsatz eingespart werden kann.

4. „Menschen zu helfen, Verständnis für die Qualität ihres Trinkwassers zu entwickeln und diese zu beurteilen“

Jinsuhk Suh ist leitender Forscher am K-Water Institute, einer staatlichen, koreanischen Kooperation, die Anlagen für Wasserressourcen, Wasserwerke, Abwasser und erneuerbare Energien baut, betreibt, leitet und entwickelt.

Herausforderungen für die Wasserindustrie: „In Korea ist alternde Infrastruktur ein ernsthaftes Problem. Eine weitere Herausforderung ist, die Einstellung der Menschen zum Wasser zu verändern, ihnen klar zu machen, dass sie das Wasser direkt aus dem Hahn trinken können.“

Wie intelligentes Wasser hilft: „Intelligente Managementwerkzeuge liefern hochwertige Daten, die wir den Menschen weitergeben können, um ihnen zu helfen, Verständnis für die Qualität ihres Trinkwassers zu entwickeln und diese zu beurteilen. Und intelligente Wassertechnologien, wie der Einsatz von Zählern, machen es möglich, sehr einfach Problemzonen im Leitungsnetz zu finden und festzulegen, welche Austauscharbeiten priorisiert werden müssen, was eine langsichtige Planung vereinfacht.“

Hindernisse für die Implementierung: „Ich bin der Meinung, dass viele Betreiber ihre Systeme nicht ändern möchten, weil dies mit zusätzlicher Arbeit verbunden ist. Und weil das Wasserversorgungssystem unterirdisch verläuft, wird es im Gegensatz zu anderer Infrastruktur gerne vernachlässigt.“

Implementierung beschleunigen: „Wissen vermitteln und Vertrauensbildung sind sehr wichtig. Wir müssen die Haltung der Menschen zu dem Wasser, das sie trinken verändern.“

5. „Eine Gelegenheit, einen besseren Überblick über die aktuelle Situation zu erhalten“

Östen Ekengren ist Geschäftsführer bei IVL, dem Schwedischen Institut für Umweltforschung, einem Unternehmen in öffentlicher Hand, das angewandte Forschung und Entwicklung kombiniert, um ökologisches, wirtschaftliches und sozial nachhaltiges Wachstum in der Geschäftswelt und in der Gesellschaft als Ganzes zu fördern.

Herausforderungen für die Wasserindustrie: „Klimawandel ist für die meisten von uns die Herausforderung Nummer Eins, da alles damit zusammenhängt. Eine weitere ist, dass der Wassersektor nicht besonders gut organisiert ist. Ein Unternehmen ist für die Abwasseraufbereitung zuständig, ein anderes für die Verteilung von Trinkwasser, und häufig haben sie nichts miteinander zu tun.“

Wie intelligentes Wasser hilft: „Intelligentes Wasser gibt die Möglichkeit, sich ein besseres Bild über die aktuelle Situation zu machen, einen besseren Überblick zu erhalten und neue Ideen zu entwickeln, wie Wasser genutzt werden kann. Meiner Ansicht nach ist es ein Schritt in die richtige Richtung, dass wir begonnen haben, in größerem Umfang Reinwasser zu verwenden und neue Wege zu finden, Wasser aufzubereiten. Intelligente Zähler geben uns Einblick darin, wie Wasser genutzt wird, und wie die Nutzung optimiert werden kann.“

Hindernisse für die Implementierung „Eines ist Geld – Unternehmen haben nicht die Mittel, um die Investition zu tätigen. Ein weiteres ist, dass die Städte auf jeder Menge Information sitzen, die sie aber nicht teilen. Alle, die mit Wasser arbeiten, sollten die gleichen, ehrgeizigen Ziele verfolgen.“

Implementierung beschleunigen: „Mehr Offenheit von den Gemeinden und auch mehr Zusammenarbeit zwischen dem privaten Sektor und der Forschung. So käme man einen Schritt weiter.“

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