Vier Schritte zur Planung einer erfolgreichen Abwasserumleitung

Wenn Abwassersysteme gewartet werden müssen, sind häufig umfangreiche Maßnahmen erforderlich, um das Abwasser in andere Teile des Systems umzuleiten. Nachfolgend werden vier Planungsschritte vorgestellt, die Ihnen helfen werden, die richtigen Pumpen zu wählen, das Abwassersystem während der Umleitung am Laufen zu halten, das Risiko von Verzögerungen zu reduzieren und potentielle Gefahren für die Umwelt zu minimieren.

1. Ermitteln der Pumpenanzahl für die Abwasserumleitung und das Backup-System.

Pumpen spielen bei Umleitungen eine zentrale Rolle. Normalerweise sind bei einem Umleitungsprojekt mehrere Pumpen erforderlich, die im Tandem arbeiten, um die Gesamtkapazität zu liefern, die für das Projekt erforderlich ist. Viele Gemeinden benötigen zudem leistungsstarke Backup-Pumpensysteme, die in der Lage sind, 100 % des erwarteten Spitzendurchflusses zu handhaben.

Backup-Systeme dürfen bei keiner Umleitungsmaßnahme fehlen, da sie vor plötzlichen, hohen Durchflussraten oder Ausfällen des Hauptsystems während der Rohrsanierung schützen. Die Kombination aus zuverlässigen Primärpumpen, die von einem soliden Backup-System unterstützt werden, stellt sicher, dass die Funktion auch bei Stromausfall sichergestellt ist, unabhängig davon, ob es sich um eine geplante Unterbrechung oder eine Naturkatastrophe handelt.

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Bei den meisten Umleitungen werden selbstansaugende Kreiselpumpen oder Kreiseltauchpumpen eingesetzt. Bei einer Kreiselpumpe tritt die Flüssigkeit an oder in der Nähe der Drehachse in das Flügelrad der Pumpe ein, wird durch das Flügelrad beschleunigt und radial nach außen in einen Diffusor oder ein Schneckengehäuse weitergeleitet, wo sie austritt. Wenn Kreiselpumpen im Parallelbetrieb eingesetzt werden, wird durch die rotierenden Flügelräder der Druck auf die Flüssigkeit erhöht, was einen höheren Durchsatz generiert.

Wenn mehrere Kreiselpumpen verwendet werden, arbeiten sie im Tandem, um den Förderdruck zu erhöhen. Bei der Bestimmung der Pumpenanzahl ist es wichtig, den gewünschten Durchfluss (Spitzenkapazität) im Vorfeld festzulegen, um sicherzustellen, dass für eine optimale Durchführung des Projekts genügend Pumpen installiert werden. Kreiselpumpen werden häufig in Umleitungen eingesetzt, weil sie große Flüssigkeits- und Feststoffmengen handhaben können und in der Lage sind, Luft aus dem Druckraum zu pumpen.

2. Den Spitzendurchfluss der Umleitung und die Abwasserart ermitteln.

Um die effizienteste Pumpe für die Umleitung zu ermitteln, ist es wichtig, die maximale, erwartete Durchflussrate zu berücksichtigen, die während der Instandsetzung der Rohre erwartet wird. Der Spitzendurchfluss ist der höchste Durchfluss, der im Laufe eines Tages im Rohr auftritt, meist früh morgens oder am späten Nachmittag. Je nach Jahreszeit kann der tatsächliche Spitzendurchfluss aufgrund äußerer Ereignisse wie z. B. die Ansammlung großer Menschenmengen oder das Einsickern von Überschusswasser aufgrund von ungünstigen Wetterbedingungen vom angegebenen Spitzendurchfluss abweichen.

Wenn der erwartete Spitzendurchfluss nicht korrekt ermittelt wird, ist die Umleitung nicht in der Lage, das Abwasser während der Instandsetzungsarbeiten aufzunehmen und die Kontaminationsgefahr für die Umgebung wird deutlich erhöht, da die Wahrscheinlichkeit zunimmt, dass Abwasser austritt. Das Ermitteln des korrekten Spitzendurchflusses ist von größter Bedeutung, da es meist sehr kompliziert ist, bereits in Betrieb genommene Umleitungen zu verändern.

Außerdem ist es wichtig, die unterschiedlichen Abwasserarten zu kennen, die für gewöhnlich durch das Kanalsystem fließen. Abwasser aus Gemeinden kann Feststoffe und andere, nichtfaserige Materialien enthalten, die sich in den Flügelrädern der Pumpe verfangen und so die gesamte Umleitung verstopfen können. Je mehr Feststoffe eine Pumpe handhaben muss, desto stärker muss sie sein, weshalb es wichtig ist, die Art des Abwassers bei der Wahl der Pumpe zu berücksichtigen, die für die Umleitung eingesetzt werden soll.

3. Die Tiefe des Abwasserrohrs und den Abwasserspiegel ermitteln.

Die Tiefe des Abwasserrohrs und der Abwasserspiegel müssen genau ermittelt werden, um die passende Pumpe zu wählen. Eine der größten Einschränkungen von selbstansaugenden Kreiselpumpen bei einer Umleitung ist die statische Ansaughöhe – der vertikale Abstand vom Zentrum des Flügelrads zum Flüssigkeitsspiegel. Die Zentrifugalkraft generiert ein Druckvakuum, das das Abwasser aus der Pumpe schleudert. In einem perfekten Vakuum schafft eine selbstansaugende Kreiselpumpe höchstens 8 m. Andere Faktoren, wie z. B. der erforderliche Pumpenwirkungsgrad, beschränken selbstansaugende Kreiselpumpen auf eine „praktische Ansaughöhe“ von ca. 7 m.

Wenn ein Abwasserrohr tiefer ist als 7 m, sind Tauchpumpen mit Elektromotor besser geeignet, da bei ihnen die Ansaughöhe keine Rolle spielt und sie das Wasser nach oben „drücken“ können. In diesem Fall wird eine Tauchpumpe in das Abwasserrohr abgesenkt und an die temporäre Abwasserleitung angeschlossen. Kreiselpumpen verlieren in dieser Tiefe an effektiver Ansaugkraft, aus diesem Grund sollten bei weniger tiefen Umleitungen oberirdische, verstopfungsfreie Pumpen verwendet werden. In diesem Fall wird anstelle der eigentlichen Pumpe ein Saugrohr in das Abwasserrohr abgesenkt, die Pumpe verbleibt oberirdisch und wird an die temporäre Umleitung angeschlossen.

Die Voraussetzungen am Einsatzort zu kennen, kann dazu beitragen, Komplikationen bei der Installation einer temporären Umleitung zu vermeiden. Falls der Austrittspunkt beispielsweise mehr als 300 m vom Aufstellort der Pumpe entfernt ist, kann zusätzliche Pumpenleistung erforderlich sein, um den Druck- oder Reibungsverlust zu reduzieren. Außerdem kann die Lage des Einsatzortes bei der Entscheidung für Diesel- oder Elektropumpen eine Rolle spielen. In einer städtischen Umgebung sind Elektropumpen meist die wirtschaftlichere Lösung, während Dieselpumpen in abgelegenen Gegenden ideal sind, in denen die Stromversorgung nicht immer gesichert ist.

4. Störungen der Öffentlichkeit minimieren und einen fertigen Notfallplan besitzen.

Der Bau einer Umleitung kann durch die Pumpen, Rohre, Baumaschinen und die erforderlichen Arbeitskräfte vor Ort zu enormen Störungen führen. Abwasserumleitungen im öffentlichen Kanalnetz treten meist in städtischen Gebieten oder in Bereichen mit hoher Aktivität auf, was den Zugang zum Einsatzort erschwert und dadurch den sicheren Transport der für die Installation erforderlichen Ausrüstung behindert. Andere Faktoren wie Lärmverordnungen, das Umleiten des Verkehrs sowie die Lebensräume von Wildtieren müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

In Fällen, in denen der Austrittspunkt weit vom Standort der Pumpen entfernt ist, kann es zu weiteren Störungen kommen, da das Saugrohr von der Pumpe bis zum Austrittspunkt geführt werden muss. Außerdem können zusätzliche Baumaßnahmen erforderlich sein, um das Saugrohr in der Erde zu versenken und dadurch die weitere Nutzung der umliegenden Straßen und Einrichtungen zu ermöglichen.

Eine gründliche Planung ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Umleitung schnell und effizient installiert werden kann und dass die entsprechenden Vorkehrungen getroffen werden, damit Störungen der Öffentlichkeit während der Dauer des Projekts minimiert werden.

Gründliche Planung ist zwar für den Erfolg von Abwasserumleitungen ein wichtiger Faktor, dennoch sollten Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, falls etwas schiefläuft. Die Planung von Umleitungen im öffentlichen Abwassernetz sollte immer einen soliden Notfallplan umfassen. Da Umleitungen von Natur aus riskant sind, besteht immer die Gefahr, dass Abwasser austritt.

Ein umfassender Notfallplan, der beim Austreten von Abwasser aktiviert werden kann, schützt die lokale Umgebung vor Kontamination und minimiert bzw. verhindert daraus entstehende, teure Sanierungsarbeiten.

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