F&A: Xylem CEO Patrick Decker zum Erwerb von Sensus

Lesen Sie, wie das Sensus Netzwerk genutzt werden kann, um die Energieeffizienz zu erhöhen und Ausfallzeiten in der Wasser-, Abwasser und Außenwasserindustrie zu verhindern. Xylem hat sein Vorhaben mitgeteilt, Sensus zu erwerben, einen Marktführer im Bereich intelligente Messgeräte, Netzwerktechnologie und Datenanalyselösungen. Patrick Decker, President und CEO von Xylem, erklärt, welche Vorteile sich Xylem Kunden durch den Erwerb von Sensus bieten.

Was steht hinter Xylems Entscheidung, Sensus zu erwerben?

Ungefähr vor einem Jahr identifizierte Xylem eine Reihe von Schwerpunktbereichen, die für das Wachstum des Unternehmens eine wichtige Rolle spielen. Einer dieser Bereiche war das Bedürfnis unserer Kunden, ihre Wassernetze intelligenter zu machen. Eine der Möglichkeiten, die wir hierbei ins Auge fassten, war eine geschäftliche Partnerschaft bzw. der Erwerb eines Unternehmens wie Sensus, das über eine sehr starke Telekommunikationsplattform und ein Netzwerk aus intelligenten Messgeräten verfügt.

Sensus beliefert derzeit Kunden auf der – wie wir es nennen – Reinwasserseite, während wir uns mehr auf Abwassernetze sowie Außenwasser konzentrieren, zu dem Seen, Flüsse, Staudämme, Meere und Küstenbereiche gehören. Viele Sensus Kunden, Versorgungsunternehmen, arbeiten bereits mit FlexNet, Sensus unternehmenseigenem Telekommunikationsnetzwerk. Diese Kunden werden im Laufe der Zeit die Möglichkeit erhalten, unsere Abwasserpumpen und Netze in das System zu integrieren. Außerdem werden sie sukzessive die manuelle Überwachung ihrer Außenwassersysteme reduzieren können.

Die Sensus Telekommunikationsplattform ist äußerst strategisch, genau wie ihre Datenanalysemöglichkeiten. Das Unternehmen verfügt über eine Gruppe von Data Scientists, die Sensus Kunden bereits mit einfachen Benutzerschnittstellen versorgen. Hierdurch erhalten diese die Möglichkeit, die im FlexNet-Netzwerk gesammelten Daten für einen besseren Einblick und schlussendlich für die Lösung unterschiedlicher Probleme zu nutzen.

Welche Art von Kundenproblemen können hierdurch gelöst werden?

Derzeit beliefert Sensus Wasserversorgungsunternehmen mit großen Mengen wichtiger Daten wie z. B. über unprofitables Wasser. Es hilft seinen Kunden, Leckagen oder Ausfälle in ihren Wassersystemen zu identifizieren. Jetzt werden wir auch auf der Abwasserseite in der Lage sein, unsere Pumpen mit Sensoren auszustatten, und somit Daten zur Energieeffizienz und zum Energieverbrauch sammeln zu können, sowie Informationen, die uns helfen, vorausschauende und vorbeugende Wartungen anzubieten.

MELDEN SIE SICH FÜR UNSEREN NEWSLETTER AN

Eine der größten Herausforderungen, mit denen unsere Kunden zu kämpfen haben, ist die Handhabung ihres Energieverbrauchs. Er ist einer der größten Kostenfaktoren für ein Wasserversorgungsunternehmen, und einer der größten Energieverbraucher ist die Pumpstation.

Wir gehen dieses Problem an, indem wir energieeffizientere Pumpen wie die Flygt Concertor entwickeln. Dies ist die weltweit erste, intelligente Abwasserpumpe auf dem Markt. Ihr eingebauter Sensor passt die Leistung automatisch an die aktuellen Vorgaben an. Mit unserer Ausrüstung und dem Sensus Netzwerk werden wir Kunden helfen, Daten über ihren Energieverbrauch im gesamten Netz zu sammeln und dazu beitragen, unnötige Wartungen oder Ausfälle in den Pumpstationen zu vermeiden.

Werden die Daten, die in Abwassernetzen gesammelt werden, automatisch analysiert?

An dieser Funktion wird derzeit gearbeitet. Ich würde sagen, dass derzeit nur ein Bruchteil der Versorgungsunternehmen technisch in der Lage ist, diese Art von Daten zu handhaben. Wir haben vor, sehr einfache Schnittstellen für Tablets, Smartphones, Desktops etc. zu entwickeln. Einer der großen Vorteile von Sensus ist, dass das Unternehmen diese Funktionen bereits für dieselben Wasserversorgungsunternehmen baut, jedoch mit Schwerpunkt auf der Reinwasserseite. Wir werden in der Lage sein, diese Funktion bei denselben Unternehmen auf der Abwasserseite einzusetzen.

Wie wird dieser Erwerb den Kunden im Gewerbebau- und Industriesektor zugutekommen?

Für Betreiber von Gewerbebauten und Industriestandorten ist der Energieverbrauch ebenfalls ein zentrales Thema. Häufig sind die Pumpen die größten Energieverbraucher. Wir stehen noch am Anfang unserer Überlegungen, wie wir Sensus FlexNet-Funktionen in diesen Sektoren einsetzen können. Wir sind der Auffassung, dass für uns die Möglichkeit besteht, eine ähnliche, unternehmenseigene Technologie zu entwickeln, um Gebäudebetreiber und Industriestandorte zu unterstützen.

Im industriellen Sektor sehen wir unsere Möglichkeiten vor allem in der Entwicklung technisch ausgereifter, industrieller Abwasseraufbereitungsmethoden. Aufgrund strengerer Bestimmungen bei der Ableitung industrieller Abwässer geht ein großer Teil der hierdurch entstehenden Kosten für das Wassermanagement zu Lasten der Industrie. Bei diesen gewerblichen Anwendern besteht somit eine größere Notwendigkeit eigener, integrierter Abwasseraufbereitungsfunktionen. Wir verfügen bereits über einige Technologien, z. B. über unsere Marke Wedeco. Aber wir sind auch an der Entwicklung anderer Möglichkeiten interessiert, sowohl organischer als auch anorganischer.

Sensus arbeitet nicht nur mit Wasserversorgungsunternehmen, sondern auch mit Strom und Gas. Wird sich dies nach der Übernahme durch Xylem ändern?

Nein, dies stellt sogar eine ausgezeichnete Gelegenheit für Xylem dar. Wir engagieren uns ebenfalls stark im Energiesektor, in dem Sensus involviert ist, sowie in deren Projekten zur Entwicklung intelligenter Beleuchtungsnetze für größere Städte. Der Trend hin zum Bau intelligenterer Städte ist ein zentrales Thema. Xylem erzielt derzeit bereits ca. 10 Prozent seines Einkommens in Bereichen, die nichts mit Wasser zu tun haben, und ich habe Investoren gegenüber wiederholt erklärt, dass ich bei der Frage Wasser oder Nicht-Wasser keineswegs dogmatisch bin. Vielmehr ist es so, dass wir die Möglichkeit haben zu investieren und die Geschäftsbereiche zu vergrößern, die relativ schnell expandieren.

Xylem hat sich stark auf energieeffiziente Ausrüstung konzentriert. Ist der Erwerb von Sensus Teil einer Strategie hin zum systemübergreifenden Ansatz?

Ja, ich glaube, dass dies eine Möglichkeit für uns ist, unsere Kernfähigkeit, die in der eigentlichen Ausrüstung liegt, optimal einzusetzen. Auch was F&E angeht, wird dies weiterhin eine sehr starke Kernkompetenz sein. Und natürlich werden wir auch damit fortfahren, unser Portfolio im Bereich intelligente Ausrüstung auszubauen.

Der Erwerb von Sensus macht es möglich, uns auf komplette Netzwerke zu konzentrieren. Hierbei kann es sich um ein Abwasserpumpennetz einschließlich sämtlicher Hebeanlagen handeln, die es in einer Stadt gibt, oder um ein Reinwassernetz, das bereits mit Sensus Unterstützung betrieben wird. Beim Außenwasser werden wir sukzessive unsere Sensoren anschließen können, die in diesen Gegenden installiert sind, und somit in der Lage sein, Daten für das FlexNet-Netzwerk zu sammeln. Dies wird für die Versorgungsunternehmen, die mit diesem Typ von Wasser arbeiten, eine enorme Hilfe sein. Sie werden innerhalb kurzer Zeit Daten über die Wasserqualität sammeln können, und somit den Umweltrichtlinien gerecht werden.

ABONNIEREN SIE IMPELLER

Artikelserie

Im Fokus: Herausforderungen für öffentliche Versorgungsunternehmen Heute und Morgen

Jetzt lesen

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Newsletter